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Anforderungen für einen Eventsaunaraum

Die gegenwärtige Schnelllebigkeit des Alltags und die Erlebnisorientierung unserer Gesellschaft haben das Saunabaden in Deutschland nachhaltig beeinflusst. Aufgüsse mit Inszenierungen sind Bestandteil unserer Saunakultur und Marketinginstrument vieler Saunaanlagen geworden. Im Zuge dieser Entwicklung haben sich das Selbstverständnis des Aufgusspersonals und die Anforderungen der Saunagäste an die Aufgusspraxis verändert. Zum Schutz von Badegästen, Saunapersonal und Badbetreibern hat deshalb der Deutsche Sauna-Bund bereits 2011 Richtlinien für die Durchführung von Saunaaufgüssen erarbeitet. Insofern gibt es eine gute Handlungsbasis für den veränderten Rahmen. Nur die räumlichen Bedingungen für die Erlebnisaufgüsse sind nicht angepasst worden. Viele Saunaräume sind von den Abmessungen und von der Raumaufteilung dafür nicht geeignet. Im Folgenden sollen die wichtigsten Anforderungen benannt werden.
 
Die Lage
Momentan werden Eventsaunaräume vor allem als eigenständige Gebäude im Außenbereich von Saunaanlagen errichtet. Diese Bauvariante kann attraktiv sein, erfordert aufgrund den mit der Durchführung von Aufgüssen verbundenen Folgeeinrichtungen aber auch ein entsprechendes Investitionsvolumen. Grundsätzlich kann ein Eventsaunaraum auch im Betriebsgebäude realisiert werden. In die Überlegungen zur Lage ist zudem die Gegebenheit einzubeziehen, dass der Aufguss oft nur stündlich praktiziert wird und der Saunaraum die übrige Zeit dem normalen Saunabaden dient.
 
Der Eventsaunaraum benötigt begleitend in jeder Lage einen Vorraum oder einen witterungsgeschützten Bereich mit gleicher Kapazität wie der Saunaraum für die Wartezeit der Gäste bis zum Aufguss oder für die Reichung von Zugaben nach dem Aufguss. In diesem Bereich sind ausreichend nummerierte Ablagen für Badeschuhe und Tücher sowie Garderobenhaken unterzubringen.
 
Außerdem sollten sich ein Technikraum für die Beheizungs- und Lüftungssteuerung der Sauna sowie für die Musik- und Lichtanlage und ein Zubereitungsraum für den Aufguss mit Platz für Utensilien in unmittelbarer Nähe befinden
 
 
Die Raumausführung
Für den Eventsaunaraum kommt nur eine Bauausführung mit geeignetem Holz in Frage. Er kann in Schicht- oder Massivholzbauweise errichtet werden. Es gibt auch die Bauvariante, dass die Wände aus Massivholz gebaut werden und die Decke in Schichtbauweise mit Dämmstoff und Dampfbremse gefertigt wird. Für die Wasserdampfverteilung beim Aufgießen ist es günstig, wenn die Decke sich zu den Wänden leicht absenkt. Steile Dachformen (z.B. Satteldach) sind dagegen für die Dampfverteilung problematisch. Die lichte Höhe von Eventsaunaräumen beträgt zwischen 250 und 350 cm. Bei der enormen Größe vieler Eventsaunaräume ist besonders auf die statischen Anforderungen zu achten.
 
Der Boden des Saunaraumes sollte rutschhemmend mit leichtem Gefälle zu den Türen ausgeführt werden. Um die Reinigung des großen Raumes zu erleichtern, können Bodenabläufe erforderlich sein. Die Geruchsverschlüsse müssen dann so installiert werden, dass sie nicht austrocknen und riechen können. Sehr wichtig für die Nutzung ist, dass der Boden nicht zu heiß wird. Bei den größeren Raumhöhen als im gewöhnlichen Saunabau ist das durch die starke Wärmestrahlung leicht möglich. Eine Bodenkühlung ist deshalb vorzusehen.
 
Ein Eventsaunaraum benötigt grundsätzlich zwei Ausgänge ins Freie oder zu Rettungswegen, wenn die Grundfläche größer als 100 m² ist. Die lichte Breite der Ausgänge muss dann 120 cm betragen (VStättVO). Empfehlenswert sind Türen mit größeren Glaselementen aus Einscheiben-Sicherheitsglas. Sie müssen nach außen aufschlagen und dürfen keine Schwelle haben. Sehr große Saunaräume mit einer Kapazität von mehr als 100 Saunagästen sollten durchaus vier Ausgänge haben. Dies wird in der Regel nicht von Normen und Verordnungen verlangt. So greift in NRW die Sonderbauverordnung (SBauVO) erst ab Versammlungsstätten mit mehr als 200 Personen. Es ist aber für die Saunagäste nicht zumutbar, dass sie nach einem Aufguss noch weitere Minuten bis zum Verlassen in der Wärme ausharren müssen. Nach einem Aufguss muss die Sauna zügig verlassen werden können.
 
Für die manuelle Lüftung nach dem Aufguss sind kleine Fensterelemente günstig. Das Glas muss aus Isolier-Sicherheitsglas bestehen. Für die Lichteffekte sollten die Fenster wie auch die Glasteile der Türen verdunkelbar sein. Die Zwangslüftung des Saunaraumes erfolgt über Zu- und Abluftöffnungen. Für die schnelle Entfernung des Wasserdampfes sollte ein 10facher Luftwechsel/Stunde über Stufenschaltung oder Drehzahlsteuerung des Ventilators erreichbar sein.
 
 
Die Inneneinrichtung
Die Saunabänke müssen wegen der Luftzirkulation in Lattenbauweise mit Zwischenräumen ausgeführt werden. Das Holz muss wegen der notwendigen Berührungsfähigkeit eine geringe Wärmeleitzahl aufweisen. Die Bänke können drei- oder vierstufig angeordnet werden. Die Bankbreiten sollten jedoch vom gewöhnlichen Saunabau abweichen, da im Eventsaunaraum die Saunagäste sitzend die Darbietung verfolgen. Damit sie hintereinander sitzen können, empfehlen sich folgende Maße: oberste Bank 50-60 cm, mittlere und unterste Bank 80-90 cm. Die Tragfähigkeit der Bänke und ihrer Unterkonstruktionen müssen etwa 200kg/m betragen.
 
 
Die Heiztechnik
Eventsaunaräume können mit elektrischer Energie oder mit Gas beheizt werden. Das Heizgerät sollte von außen mit Frischluft versorgt werden. Die Leistung muss auf die Raumgröße abgestimmt sein. Es gibt Raumgrößen (etwa 400 m³), die werden mit fünf Elektroöfen à 36 Kilowatt betrieben.
Für den effektvollen Dampfstoß ist eine große Menge Ofensteine notwendig. Geeignet sind dafür vulkanische Gesteinsarten wie z.B. Peridotit. Der Saunaofen muss auf jeden Fall einen mit dem Boden festverbundenen Berührungsschutz haben. Zur Aufnahme großer Steinmengen ist eine Ummauerung der Heizgeräte günstig. In die Ummauerung könnten dann Ablagen für Aufguss-Utensilien und eine erhöhte Standfläche für das Aufgusspersonal integriert werden. Für die Unterbringung der Schalt- und Regeltechnik des Heizgerätes sollte ein ausreichend großer Raum in unmittelbarer Nähe des Saunaraumes vorhanden sein.
 
Das Nonplusultra für die Eventsauna ist ein Mittelofen. Er kann vom Aufgusspersonal umgangen werden und ermöglicht auch eine gute umlaufende Anordnung der Inneneinrichtung. Für das Aufgusspersonal muss in jedem Fall genügend Platz (etwa 150 cm) zu den angrenzenden Bänken gegeben werden.
 
Die Kapazität
Eventsaunaräume werden heute für 60 bis 200 gleichzeitig Badende errichtet. Die Grundflächen liegen dafür zwischen 50 und 150 m². Die Auslegungen des gewöhnlichen Saunabaus greifen wegen der großzügigen Auftrittsflächen des Aufgusspersonals nicht. Beachtet werden sollte bei den Größenverhältnissen allerdings, dass sie eine Aufgussdurchführung nur mit einem Aufgiesser gestatten. Im Tagesgeschäft ist der durch die Raumgröße notwendige gleichzeitige Einsatz mehrerer Aufgiesser kaum lohnenswert.
 
Die Eventtechnik
Die Licht- und Musikanlage sollten in einem ausreichend großen Technikraum untergebracht sein. Sehr empfehlenswert ist es, wenn von dort Einsicht in den Saunaraum gegeben ist. Besonders für manuell gesteuerte Anlagen ist das wichtig. Das Optimum für effektvolle Licht- und satte Klangerlebnisse bietet eine DMX-gesteuerte Lichtanlage. Sie setzt viele unterschiedliche Spots, separates Schwarzlicht und Sondereffekte wie eine Rauchmaschine gezielt in Gang. Auch mit der Musikanlage kann sie verbunden werden.
 
Im Saunaraum werden die Impulse auf zahlreiche gut platzierte Spots weitergeleitet. Die Lautsprecher sollten dort auf keinen Fall unter die Bänke installiert werden. Die Abdeckung durch die Saunatücher lässt die hohen Töne nicht durchkommen. Eine Installation in die Raumdecke ist wegen der Wärme auch problematisch. Beinahe genial ist der Lautsprechereinbau in die Ummauerung des Saunaofens. Von dort wird das Publikum mit Tönen gut erreicht.
 
Der Vorbereitungsraum
Für das Herstellen der Aufgussdüfte, für das Umziehen des Personals und die Verwahrung der Utensilien (Fahnen, Fächer usw.) und Kostüme sollte ein gesonderter Raum zur Verfügung stehen. Allerdings darf er nur dann auch für die Aufbewahrung von Duftstoffen genutzt werden, wenn dort Gefahrgutschränke stehen und der Raum mit einer Lüftungsanlage ausgestattet ist.
 
Abschließend sei daraufhin hingewiesen, dass für die im Tagesgeschäft übliche Aufgusspraxis nur Teile der genannten Anforderungen interessant sind. Vielleicht können Details bei räumlichen Veränderungen aber in die Planungen einbezogen werden.
 
 
Rolf-A. Pieper
Geschäftsführer Deutscher Sauna-Bund
 

Ausstattung und Betrieb

Foto SATAMA-Theater, Wendisch-Rietz