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Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen

Saunabaden mit Thrombozytose?

Ein Saunabesuch ist generell mit nur geringen gesundheitlichen Risiken verbunden; es dominieren bei weitem die positiven Aspekte - auch im Hinblick auf eine Vorbeugung oder positive Beeinflussung vieler Herz-Kreislauf- Erkrankungen.
 
Dagegen besteht einer der wenigen, zumindest theoretisch bedenklichen Effekte darin, dass die Sauna vorübergehend die Blutgerinnbarkeit erhöhen könnte, also beim Kranken das Thromboserisiko gesteigert wird. Beim Gesunden hat das keinerlei Bedeutung. Dieser Effekt ist nach früheren Erkenntnissen nach ca. einer halben bis einer Stunde ausgeglichen. Ob eine erhöhte Blutgerinnbarkeit nur im Labor nachweisbar ist oder überhaupt schon zu relevanten Erkrankungen geführt hat, ist bisher nicht beschrieben worden. In diesem Zusammenhang ist die Frage zu sehen, ob bei einer erhöhten Zahl von Thrombozyten (Blutplättchen) vom Saunabesuch abgeraten werden sollte.
 
Bei der Entstehung eines Thrombus und damit bei der Blutgerinnung spielen neben Faktoren aus dem Blutplasma und den Wandeigenschaften der Blutgefäße die Blutplättchen eine entscheidende Rolle. Die Frage nach einer erhöhten Blutgerinnbarkeit und damit einer zumindest theoretisch gegebenen möglichen Gefährdung durch Saunabesuch ist also durchaus berechtigt. Bei der Beantwortung kann man leider nicht auf direkte Untersuchungen und damit gesicherte Daten zurückgreifen. So muss man sich mit der medizinischen Logik und Analogieschlüssen begnügen.
 
Im Einzelfall wird man folgende Fragen zu beantworten haben: Wie stark ist das Ausmaß der Thrombozytenerhöhung? Handelt es sich um eine eigenständige Erkrankung oder eine vorübergehende Reaktion auf andere krankhafte Prozesse im Körper (zum Beispiel Entzündungen)? Wie ist die Vorgeschichte des Patienten? Bestehen andere Erkrankungen wie ein Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfettwerte, die das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen? Raucht der Betreffende? Wie sieht die Behandlung aus? Wird z. B. ein Medikament wie Aspirin eingenommen, das ein Zusammenklumpen der Blutplättchen aufhebt oder zumindest verringert? Erst die Zusammenschau der Antworten auf all diese Fragen lässt eine einigermaßen fundierte Beantwortung der Frage zu, ob überhaupt angenommen werden kann, dass ein erhöhtes Risiko der Blutgerinnung und damit ein erhöhtes Risiko durch Saunabesuch bestehen könnte. Bei einem sonst gesunden Menschen, der nicht raucht und nur eine leichte Erhöhung der Blutplättchenzahl aufweist, wird man ein Risiko weitgehend ausschließen können und keinesfalls vom Besuch der Sauna abraten. Bestehen dagegen deutlich erhöhte Thrombozyten-Zahlen (beispielsweise doppelt so hoch wie der obere Grenzwert der Norm) und liegen weitere Risikofaktoren vor oder kam es bereits zu einer tiefen Venenthrombose oder zu einem Herzinfarkt, so sollte man vom Besuch der Sauna eher abraten.
 
Entscheidend wird also das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient sein. Man darf allerdings festhalten, dass die vermuteten Gefahren durch einen Saunabesuch oft weit überschätzt werden. Daher muss man leider davon ausgehen, dass in den meisten Fällen aus Vorsicht bei einer vermeintlichen oder realen Erhöhung der Blutgerinnbarkeit von ärztlicher Seite vom Besuch der Sauna abgeraten werden wird.
 
Privatdozent Dr. med. Rainer Brenke
Chefarzt Akut-Abteilung Naturheilverfahren
Hufeland-Klinik
Taunusallee 5
56130 Bad Ems
 

Saunabaden mit nur einer Niere?

Um die Frage zu beantworten, ob Patienten mit nur einer Niere in die Sauna gehen können, müssen primär die Ursachen abgeklärt sein. Es könnte z.B. sein, dass eine Niere aufgrund einer Tumorerkrankung entfernt wurde oder eine chronische Nierenerkrankung zum Verlust der Niere geführt hat.
 
Auch auf die Auswirkungen, wenn nur noch eine Niere arbeitet, kommt es an. Im günstigen Fall kompensiert die verbliebene Niere die Funktion im vollen Umfang. Hier ergeben sich selbstverständlich keine Bedenken zum Saunabaden.
 
Anderenfalls muss die Leistung der verbliebenen Niere durch Funktionsdiagnostik abgeschätzt werden. In der medizinischen Literatur finden sich einige Untersuchungen über das Saunabaden bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Um die Arbeit der Niere zu unterstützen, sollte allerdings schon zwischen den Saunagängen vermehrt getrunken werden. Ratsam ist es, mit dem Hausarzt darüber zu sprechen. Man sollte davon ausgehen, dass bei einem vollständigen Saunabad der Schweißverlust 0,5 bis 1 Liter beträgt, der ersetzt werden müsste.
 
Die Frage muss also individuell entschieden werden. Durch die allgemeine Durchwärmung lassen sich durchaus positive Rückwirkungen ableiten, vor allem auf den Blutdruck, der u. U. bei Nierenerkrankungen erhöht ist.
 
Sicher sollte darauf geachtet werden, die Abkühlphase moderat zu gestalten. Das Tauchbecken ist daher nicht zu empfehlen. Jede Auskühlung sollte vermieden werden.
 
Prof. Dr. med. Eberhard Conradi, Präsident des Deutschen Sauna-Bundes e.V., ehem. Direktor der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation des Universitätsklinikums (Charité) der Berliner Humboldt Universität.
 

Mit künstlichem Luftröhrenausgang in die Sauna?

Auf die Frage, ob Saunabaden auch nach Verlust des Kehlkopfes möglich ist, haben wir bei einigen HNO-Ärzten nachgefragt und auch die Erfahrung des Bundesverbandes der Kehlkopflosen eingeholt. Übereinstimmende Meinung ist, dass das Saunabaden möglich ist.
 
Es muss jedoch beachtet werden, dass durch den Verlust des Kehlkopfes der Totraum der Atemwege (Mund, Rachen, Luftröhre) kleiner geworden ist und damit der Ausgleich der Temperatur der eingeatmeten Luft reduziert ist. Dies kann zu stärkerer Austrocknung der Schleimhaut der tieferen Atemwege führen. Man kann sich dagegen schützen durch Aufsetzen einer so genannten Nase wie sie im Ausstattungsbesteck mitgeliefert wird. Es genügt aber auch ein angefeuchtetes Leinenläppchen auf dem Stoma. Außerdem sollte der Aufenthalt im Saunaraum nicht übermäßig ausgedehnt werden, also nicht länger als 10 Minuten! Das Tragen einer Metallkanüle verbietet sich von selbst.
 
Prof. Dr. med. Eberhard Conradi
(ehemaliger Direktor der Abt. Phys. Medizin und Rehabilitation der Charité an der Medizinischen Humboldt-Universität zu Berlin)

Saunabaden bei Bluthochdruck?

Die Bluddruckwerte verändern sich während eines Saunabades. Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck lässt sich ein Anstieg zum Normalwert hin feststellen, bei Bluthochdruck wird eine deutliche Senkung beobachtet. Die Veränderungen sind allerdings nur vorübergehend und ersetzen daher leider auch keine anderen Therapiemaßnahmen.

Grundsätzlich können Bluthochdruckpatient die Sauna also nutzen wie jeder andere auch. Die Abkühlmaßnahmen an der Luft und kalte Abgießungen haben keine wesentliche Wirkung auf den Blutdruck. Allerdings sollten Personen mit Bluthochdruck das Tauchbecken meiden, da diese Form der Abkühlung den Bluddruck kräftig ansteigen lässt.

Ansteckungsrisiko für Erkältungen beim Saunabaden?

Wiederholt stellen sich Saunabesucher die Frage, ob sie sich bei Personen, die sich – wissentlich oder unwissentlich – in der Sauna aufhalten und an einer Erkältung erkrankt sind, anstecken können. Besteht hier eine akute Ansteckungsgefahr oder werden die Krankheitserreger in der Saunawärme abgetötet?

Generell ist dies weniger eine Frage der Hitzebeständigkeit der Erreger als der Bedingungen in der Saunakabine und des Verhaltens der Saunabesucher im Schwitzraum.

Der Deutsche Sauna-Bund hat hierzu wiederholt Stellung genommen. Besucher mit „akuten Erkrankungen der Atemwege“ (das ist die wissenschaftliche Bezeichnung für so genannte Erkältungskrankheiten) sollten mit Rücksicht auf die anderen Saunagäste bei starkem Husten und Schnupfen öffentliche Saunabäder nicht aufsuchen. Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, sich während des 8 bis 15minütigen Aufenthalts in der Saunakabine anzustecken, es sei denn, dem Betreffenden fehlt jegliche Hustendisziplin und die anderen Gäste werden immer wieder angehustet. Das Risiko ist an anderen Orten, z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln, viel größer.

Die Frage, ob Bakterien und Bazillen – und sinngemäß müssten hier auch die Rhinoviren als Erreger der meisten „Erkältungskrankheiten“ hinzu genommen werden - Temperaturen über 80 °C überstehen, kann wie folgt beantwortet werden: Die meisten Bakterien werden in der Tat ab 60 bis 80 °C abgetötet. Für die Rhinoviren trifft dies ebenfalls zu; oberhalb 60 °C beträgt ihre Lebensdauer weniger als eine Stunde. Etwas anders verhalten sich Bazillen, die als Sporenbildner 100 °C überleben. Sie kommen aber in der Sauna nicht vor!

Fazit
Große Angst vor Ansteckung ist also unbegründet. Gerade zur Herbst- und Winterzeit sollte man auf die Sauna nicht verzichten, denn schließlich ist sie ein bewährtes Mittel, um Erkältungskrankheiten vorzubeugen. Immerhin haben 76 % der 16.762 Befragten der im Jahr 2000 vom Deutschen Sauna-Bund durchgeführten Umfrage in öffentlichen Saunabädern ausgesagt, dass sie als Saunagänger nicht oder nur selten Erkältungskrankheiten bekommen.

Prof. Dr. med. Eberhard Conradi
(ehemaliger Direktor der Abt. Phys. Medizin und Rehabilitation der Charité an der Medizinischen Humboldt-Universität zu Berlin)

Wie vertragen Asthmatiker die Sauna?

In der trockenen Wärme der Sauna entspannt sich unter der Einwirkung der warmen Atemluft die Bronchialmuskulatur. Das wirkt genau der Verkrampfungsbereitschaft entgegen, die zu den Anfällen führt. Aber nicht nur, dass ein Asthmatiker beim Saunabad keinen Anfall bekommt, allgemein geht die Anfallbereitschaft im Verlaufe der Sauna-Benutzung zurück. Hier spielt sicher einer Rolle, dass beim richtig durchgeführten Saunabad die Nebennierenrinden zur Hormonabsonderung angeregt werden. Auch die Umstimmung im vegetativen Nervensystem wirkt sich dabei günstig aus.

Wie namhafte Mediziner an Asthmatikern in der Sauna untersuchten, bessern sich die messbaren Atemgrößen bei diesen Patienten erheblich.

Für den Asthmatiker, der zu Infektionen der oberen Atemwege neigt, ist die abhärtende, infektverhütende Wirkung regelmäßigen Saunabadens von großer Bedeutung.

In diesem Zusammenhang sind auch Patienten zu erwähnen, die z.T. aus berufsbedingten Umständen an einer chronischen Bronchitis leiden oder zu ihr neigen. Ihnen nutzt die erhebliche Steigerung der Blutversorgung der Atemwege ebenso wie die Hebung der allgemeinen Abwehrlage. Da sich ihr Zustand oft unter Kälteeinwirkung verschlechtert, ist für sie das beim Saunabaden erzielte Reaktionstraining gegen Kälte besonders hilfreich.
 

Fußpilz - Richtiges Verhalten beugt „tinea pedis" vor

Nach den langjährigen Erfahrungen des Deutschen Sauna-Bun­des sollten in diesem Zusammenhang vor und nach dem Saunagang konsequent einige wichtige Regeln zur Vorbeugung gegen „tinea pedis" beachtet werden:
 
  • Immer die Zehen-Zwischenräume (vor allem dort zeigen sich häufig die Mykosen) und die auch gelegentlich befallenen Fuß­sohlen mit einem - eigenen - Extratuch oder Frottierlappen gut abtrocknen. Einfach zu entsorgende Papiertücher oder Toilettenpa­pier erfüllen den gleichen Zweck. Diese Empfehlung gilt in beson­derer Weise auch im häuslichen Bereich nach dem Duschen.
  • Wer Bedenken hat, in einer fremden Saunaanlage barfuss zu laufen, sollte nur eigene sorgsam gereinigte und ausschließlich zum Saunabesuch verwendete Badesandalen tragen.
  • Auf eine konsequente Vorreinigung besonders im Anal- und Ge­nitalbereich ist im eigenen und im Interesse der anderen Badegäs­te großer Wert zu legen, desgleichen auf sorgfältiges Schweißabspülen nach den Schwitzgängen.
Diese einfachen Verhaltensregeln haben sich über einen langen Zeitraum bis heute überaus bewährt. Die natürliche Schutzfunkti­on der Haut ist beim Saunabaden durch die aufgequollene Haut, die teilweise abgetragene äußere Hornschicht, den manchmal veränderten pH-Wert durch Schweißbildung und Kondenswasser etwas eingeschränkt. Dennoch besteht kein Grund zur Aufregung, da nachgewiesenermaßen die allgemeine Abwehrlage des Kör­pers durch regelmäßiges Saunabaden verbessert und die Durch­blutung an Zehen, Fingern, den Ohren und der Nase intensiviert werden. Nicht nur das „Gefäßtraining" der Hautblutgefäße, son­dern auch ein intaktes Immunsystem erhöhen die Chancen auf „pilzfreie" Füße. Nach Abschluss des kompletten Saunabades können die Füße mit einer rückfettenden nährstoffhaltigen Creme oder einem Hautfunktionsöl noch zusätzlich eingerieben werden. Nach Ansicht von Professor Tiefenbrunner sollten aber auf gar keinen Fall „vorbeugend" antimykotische und rezeptfrei in der Apotheke zu bekommende Salben, Tinkturen oder ähnliches ver­wendet werden. Der Berliner Mykologe Professor Tietz rät bei un­behandeltem akutem Pilzbefall insbesondere der Fußsohle - auch
im Interesse der anderen Saunagäste - dringend von einem Saun­abesuch ab, um eine mögliche Infektionsquelle von vornherein auszuschalten. Eine Mykose der Zehen-Zwischenräume ließe sich eventuell noch selber behandeln, seien aber die Sohlen oder die Nägel betroffen, müsse in jedem Fall ein Facharzt aufgesucht werden.

Medikamente, Genussmittel und Saunabaden *

Dank der modernen Medizin und veränderter Lebensumstände werden die Menschen und somit ebenfalls die Saunagäste heute immer älter. Oftmals werden aber im Alter (allerdings auch in jugendlichen Jahren) wegen chronischer Erkrankungen Medikamente eingenommen. Nach einer Studie aus dem Jahre 2000 nehmen immerhin 12,2 % der Männer und 17,4 % der Frauen zumindest einmal pro Woche Medikamente mit psychoaktiver Wirkung ein. Es ergibt sich also die berechtigte Frage nach möglichen Wechselwirkungen zwischen den Wirkungen der Sauna und denen von Medikamenten. Grundsätzlich ist mit dem behandelnden Arzt zu klären, ob die Grundkrankheit, die Anlass für die regelmäßige Medikamenteneinnahme ist, den Saunabesuch angeraten erscheinen lässt. Es sollten außerdem nicht die Augen davor verschlossen werden, dass für viele ein moderater Alkoholgenuss mit zum Saunaritual gehört und auch andere Genussmittel und Drogen weit verbreitet sind. Der vorliegende Beitrag soll die damit verbundene Problematik beleuchten, wenngleich systematische Untersuchungen dazu kaum vorliegen. Wegen der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Medikamente und Drogen kann es sich nur um eine Auswahl handeln.

Wechselwirkungen möglich
Zunächst einmal erhöht der Aufenthalt im Saunaraum die Haut- und die Körperkerntemperatur. Dies kann auf der einen Seite zu einer beschleunigten Aufnahme von Medikamenten über den Magen-Darm-Trakt oder über die Haut führen und auf der anderen Seite die Verstoffwechselung beschleunigen. Eine erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems als Teil des Vegetativums kann sich mit der Wirkung bestimmter Stoffe überlagern. Auch die veränderte Durchblutung innerer Organe wie Leber oder Nieren kann die Ausscheidung von Medikamenten und anderen Stoffen beeinflussen und damit deren Wirkungen verändern. Noch wenig untersucht ist die mögliche gegenseitige Beeinflussung von langfristigen Anpassungserscheinungen, die bei regelmäßigem Saunabesuch auftreten, und dem Effekt von Medikamenten.

Herz-Kreislauf-Medikamente
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen als Todesursache in Deutschland nach wie vor auf Platz eins der Statistik. Dabei vermag die Sauna z.B. beim Bluthochdruck und bei Durchblutungsstörungen des Herzmuskels in geeigneten Fällen einen positiven Beitrag zum Verlauf  dieser Erkrankungen zu leisten. Es ist also häufig damit zu rechnen, dass Saunagäste Herz-Kreislauf-Medikamente einnehmen.

Besonders verbreitet sind die sog. Betablocker, die z.B. den Blutdruck und die Pulsfrequenz senken. Hier wird der im Saunaraum durch die Wärme bewirkte Pulsanstieg vermindert. Möglicherweise kann es auch zu einem verstärkten Blutdruckabfall nach dem Saunaaufenthalt kommen, weshalb man bei der Einnahme von Betablockern besonders auf die Kaltreize achten sollte. Andererseits haben Conradi und Winterfeld vom Berliner Klinikum Charité schon vor etlichen Jahren gezeigt, dass gerade beim Bluthochdruck Betablocker und Sauna einen positiven synergistischen Effekt haben. Manche Betablocker haben nämlich die Eigenschaft, die Gefäße zu verengen, was der eigentlich angestrebten Blutdrucksenkung entgegen wirkt. Regelmäßiger Saunabesuch kann diesen negativen Effekt dauerhaft durchbrechen, weshalb die Kombination Betablocker plus Sauna bei geeigneter Dosierung nicht nur toleriert, sondern sogar empfohlen werden kann.
Modernere Herz-Kreislauf-Mittel sind die sog. Kalziumantagonisten und ACE-Hemmer. Für einen der Kalziumantagonisten (Diltiazem) existiert eine Langzeitstudie aus Finnland, die allerdings nachweist, dass sich der gefäßerweiternde Effekt der Sauna und des Diltiazems nicht potenzieren. Über negative Effekte wird nicht berichtet.

Medikamentenpflaster
Medikamentenpflaster
werden dann eingesetzt, wenn es auf einen möglichst konstanten Medikamentenspiegel im Blut über einen längeren Zeitraum ankommt. Die verbesserte Durchblutung der Haut während des Saunabadens kann die Aufnahme derartig verabreichter Medikamente beeinflussen.

Häufig werden Nikotinpflaster zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Vanakoski und Mitarbeiter konnten 1996 zeigen, dass die Nikotinkonzentration im Blutplasma nach Saunabesuch mit einem derartigen Pflaster erhöht ist, was zu unangenehmen Nebenwirkungen führen kann. Deshalb wurde empfohlen, das Pflaster vor dem Saunabesuch zu entfernen. Neuere Pflaster, die zur Raucherentwöhnung angewandt werden, enthalten Substanzen, die bei entsprechender Veranlagung zu Herzrhythmusstörungen führen können. Da bis heute die Frage, ob Sauna zumindest bestimmte Rhythmusstörungen begünstigen kann, nicht endgültig beantwortet ist, sollte in der begrenzten Zeit, in der solche Entwöhnungspflaster verabreicht werden, der Saunabesuch besser unterbleiben.

Weit verbreitet ist die Anwendung von  Hormonpflastern zur Hormonersatztherapie bei Frauen in den Wechseljahren und zur Vorbeugung der Osteoporose, wenngleich diese Therapie in der letzten Zeit wegen möglicher Nebenwirkungen zunehmend kritisch gesehen wird. Zwar existieren keine Untersuchungen zur möglichen Beeinflussung des Hormonspiegels im Blut durch Saunabesuch mit Hormonpflaster, jedoch berichteten Erkkola u. Mitarb. 1991 über mögliche Hautreizungen im Bereich des Pflasters. Auch hier wird empfohlen, den Saunabesuch mit dem Aufbringen eines neuen Pflasters zu kombinieren.

Chronische, anders nicht zu beherrschende Schmerzen werden zunehmend mit Schmerzpflastern behandelt, die als Inhaltsstoffe am zentralen Nervensystem  wirksame Opiatabkömmlinge enthalten. In diesen Fällen muss ebenfalls die Frage gestellt werden, ob die Grundkrankheit ein Saunabaden erlaubt und ob das Risiko einer möglichen Konzentrationserhöhung des Wirkstoffes durch eine beschleunigte Aufnahme gegeben ist. Außerdem ist zu raten, den Wechsel des Schmerzpflasters zeitlich mit dem Saunabesuch abzustimmen – also vor der Sauna das Pflaster zu entfernen und danach ein neues anzubringen.

Besser untersucht sind Nitropflaster („Nitroglycerin“), die manchen Herzpatienten zur Behandlung der Angina pectoris verordnet werden. Ist die Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit ausreichend, so kann der Patient im Einzelfall durchaus die Sauna benutzen. Von den Medizinern Barkve u. Mitarb. konnte jedoch bereits 1986 gezeigt werden, dass die Blutplasmakonzentration von Nitroglycerin nach dem Saunabaden erhöht war, was vermehrt zu einer typischen Nebenwirkung dieses Präparates – dem Auftreten von Kopfschmerzen – führte. Das Pflaster sollte daher vor der Sauna entfernt werden, zumal die Sauna selbst das Herz eher entlastet.

Zunehmend werden zur Behandlung von „Reisekrankheiten“ Pflaster eingesetzt, die als Wirkstoff Scopolamin beinhalten. Dieser Stoff beschleunigt u.a. als Nebenwirkung die Pulsfrequnenz, weshalb derartige Pflaster nicht vor einem Saunabad angewandt werden sollten.

Eine Anmerkung sollte noch zur Behandlung von Hauterkrankungen mit Salbenpräparaten und anderen Externa gemacht werden. Erlaubt die Hauterkrankung das Saunabaden, so sollten die Präparate erst nach der abschließenden Ruhephase nach dem letzten Saunagang aufgetragen werden, um einerseits die Aufnahme durch die Haut überschaubar zu gestalten und andererseits ein Verdünnen und „Wegspülen“ durch den Schweiß zu vermeiden.

Gespritzte und blutverdünnende Medikamente
Sieht man von seltenen Erkrankungen einmal ab, so werden Präparate unter die Haut regelmäßig bei Diabetikern (Insulin) oder zur Thromboseprophylaxe (Heparin) verabreicht. Diabetiker gelten heute als „bedingt gesund“; d.h., sie nehmen aktiv am Leben fast ohne Einschränkungen teil und besuchen daher auch häufig die Sauna. Bedingt durch die bessere Durchblutung der Haut und des Unterhautfettgewebes ist die Insulinaufnahme zumindest bei schnellwirkenden Insulinen erhöht (Koivisto 1983). Dies bedeutet eine stärkere Blutzuckersenkung als gewohnt. Am besten ist es, nicht unmittelbar nach dem Spritzen die Sauna zu benutzen, ggf. kann die Verringerung der Dosis oder ein zusätzlicher Imbiss im Einzelfall hilfreich sein.

Heparin zur Thrombosevorbeugung wird meist nur vorübergehend eingesetzt – in der Regel bei akuten Krankheiten oder Bettlägerigkeit. Ein Saunabesuch ist in diesen Fällen ohnehin  nicht angezeigt. Anders sieht es mit Tabletten aus, die langfristig zur Blutverdünnung bei Thromboseneigung, zur Verhütung eines Herzinfarktes, Schlaganfalls oder zur Behandlung von Durchblutungsstörungen im Bein verordnet werden. Systematische Untersuchungen zur Wechselwirkung mit der Sauna sind nicht bekannt, jedoch kann man beobachten, dass insbesondere bei Marcumar und ähnlichen Präparaten, weniger beim ASS (Aspirin) eine vermehrte Blutungsneigung bereits bei kleinen Verletzungen gegeben ist. Wenn wegen der Grunderkrankung der Saunabesuch also empfohlen oder zumindest toleriert wird, so ist doch besondere Vorsicht zum Schutz vor Verletzungen (Hautrisse, Prellungen) geboten.

Für viele Medikamente liegen keine gezielten Untersuchungen vor und man kann sich nur an deren Wirkungsmechanismen orientieren. Manche Nitropräparate, wie sie für die Behandlung von Herzerkrankungen eingesetzt werden, können den Blutdruck senken und sollten nicht unmittelbar vor dem Saunabaden genommen werden. Noch mehr trifft das auf Nitro-Sprays zu, die im allgemeinen bei Bedarf eingesetzt werden und bei denen sich schon wegen des Anlasses (akuter Angina pectoris - Anfall) das Saunabaden verbietet.

Entwässernde Medikamente („Diuretika“) sollten ebenfalls nicht unmittelbar vor einem Saunabesuch genommen werden, da insbesondere bei schnell wirksamen Präparaten Kreislaufreaktionen (Blutdruckabfall nach der Sauna) nicht ausgeschlossen werden können. Das gleiche trifft auf manche Asthma-Sprays zu, die als Nebenwirkung den Puls beschleunigen (sog. „Sympathikomimetika“). Cortison-Sprays dürften dagegen unbedenklich sein. Sog. „Neuroleptika“ beeinträchtigen die Temperaturregulation im zentralen Nervensystem und sollten daher nicht vor dem Saunabesuch eingenommen werden.

Alkohol, Nikotin, Genussmittel und Drogen
Ein weitgehendes Tabuthema im Zusammenhang mit den Saunawirkungen ist der Alkoholkonsum. Was bewirken selbst kleinere Mengen Alkohol? Unter anderem stellt Alkohol die Blutgefäße der Haut weit und lähmt ihre Engstellung – das natürliche „Gefäßspiel“ in Gefolge von Warm- oder Kaltreizen funktioniert also nicht mehr. Das „Üben“ dieses Gefäßspiels und damit der Kreislauf- und Wärmeregulation – ein besonderer gesundheitlicher Vorteil der Sauna - ist also nicht mehr wirksam. Alkoholgenuss vor oder zwischen den Saunagängen könnte somit den erwünschten Saunaeffekt verhindern und außerdem Kreislauffehlregulationen begünstigen (Blutdruckabfall nach dem Saunaaufenthalt). Am ehesten sind daher kleinere Alkoholmengen nach dem letzten Saunagang, zumindestens für den Nicht-Kraftfahrer, zu tolerieren.

Das Rauchen (Nikotin und andere Inhaltsstoffe) zählt zu den am häufigsten „selbst verschuldeten“ Krankheitsursachen. Die Folgekrankheiten reichen von chronischer Bronchitis über Bronchialkarzinom, Herzinfarkt, Schlaganfall, Raucherbein bis hin zu anderen Organkrebsen. Trotzdem rauchen heute noch 39 % der Männer und 31 % der Frauen in Deutschland und 15,8% der Saunabesucher zählen sich nach eigener Aussage zu den stärkeren Rauchern.

Nikotin verengt kurzfristig die Gefäße und erhöht somit den Blutdruck. Außerdem werden die Flimmerepithelien der Schleimhäute der Bronchien gelähmt, weswegen eingedrungene Schadstoffe nicht in ausreichendem Maße nach außen befördert werden können. Hinzu kommt, dass während und kurz nach dem Saunaaufenthalt die Schleimhautdurchblutung durch die Wärmewirkung erhöht ist und somit eine verstärkte Aufnahme von Nikotin und anderen Schadstoffen erfolgt. Rauchen während des Saunabadens ist also sehr gesundheitsschädlich. Für den starken Raucher ergeben sich, wenn er während des Saunabesuchs auf den Tabakkonsum verzichtet, aber keine Nachteile durch die Wirkungen des Saunabades. Im Gegenteil, da die Saunawärme die Gefäße der Haut erweitert, den Blutdruck senkt und die Flimmerepithelien angeregt werden, kann hier sogar ein positiver Effekt vermutet werden. Sinnvollerweise könnte man die Sauna sogar in Raucher-Entwöhnungsprogramme einbauen, da – ähnlich wie beim Rauchen – die Stimmung durch die Saunareize positiv beeinflusst wird und es somit leichter fallen könnte, auf den „blauen Dunst“ zu verzichten.

Von vielen Menschen fast nicht mehr als Suchtmittel angesehen wird der Kaffee. Gegen einen moderaten Genuss ist nichts einzuwenden, unmittelbar vor einer Saunaanwendung sollte dies jedoch unterbleiben, da Coffein Pulsschlag und Blutdruck erhöht und sich der Einfluss mit der Saunawirkung überlagern kann. Außerdem wird die Ausscheidung von Flüssigkeit durch Kaffee forciert, was sich ebenfalls mit Saunawirkungen decken kann und bei empfindlichen Personen Kreislaufprobleme auslösen könnte.

Andere Drogen wurden im Zusammenhang mit der Saunanutzung nicht untersucht oder beobachtet. Es muss nicht besonders auf deren zum Teil lebensgefährliche Wirkungen hingewiesen werden, die den Konsum unverantwortlich erscheinen lassen. Beispielhaft soll hier die Modedroge Ecstasy genannt werden, die nicht nur einen Anstieg der Körpertemperatur hervorruft, sondern auch die Abkühlung des Körpers verhindert (Irvine 2001). Ein Saunabesuch nach Ecstasy-Einnahme könnte durchaus tödlich verlaufen.

Die meisten Medikamente vertragen sich nach derzeitigem Wissen also mit der Sauna, wobei man diese möglichst nicht kurz vor der Sauna einnehmen sollte. Im Zweifelsfall ist der behandelnde Arzt zu fragen. Wenig untersucht sind allerdings die langfristigen, in manchen Fällen sicher synergistischen Effekte zwischen Medikamenteneinnahme und Saunabesuch.

* Unter Verwendung eines Vortrags von Katrina Kukkonen-Harjula, XII Int. Sauna-Kongress, Aachen 1999
 
Priv.-Doz. Dr. med Rainer Brenke
Chefarzt der Akutabteilung Naturheilverfahren an der Hufeland-Klinik Bad Ems

Schlussfolgerungen für die Praxis:
Bei jeder langfristigen Medikamenteneinnahme: Beim behandelnden Arzt klären, ob die Grundkrankheit den Saunabesuch erlaubt.

Allgemein kann man den Rat geben, Medikamente möglichst nicht vor einem Saunabesuch (ca 1bis 2 Stunden) einzunehmen.

Herz-Kreislauf- und Blutdruckmedikamente vertragen sich meist mit der Sauna; Betablocker und Sauna lassen sich gut kombinieren.

Medikamentenpflaster sollten im Zusammenhang mit der Sauna erneuert und vor dem Baden entfernt werden.

Insulinspritzenden Diabetiker sollten nicht unmittelbar nach dem Spritzen un die Sauna gehen, gegebenenfalls die Dosis verringern oder etwas Zusätzliches essen.

Alkohol und Sauna vertragen sich schlecht - am ehesten können kleinere Mengen am Ende des gesamten Saunabades getrunken werden.
 

Mit einem Herzschrittmacher in die Sauna?

Herzschrittmacher sind eine segensreiche Entwicklung. Sie sind im Laufe der Zeit auch immer kleiner, technisch ausge­reifter und sicherer geworden. Eine Reihe elektrischer Störungen am Herzen, die früher zur Leistungsminderung führten oder sogar lebensbedrohlich waren, können durch Implanta­tion eines geeigneten Herz­schrittmachers ausgeglichen werden. Meist wird wieder eine ungehinderte Teilnahme am all­täglichen Leben möglich, was auch Saunabaden einschließt.

Was ist beim Saunabaden aber anders als im üblichen Leben? In der Sauna ist es heißer. Aber vor einer Überhitzung des Schrittmachers braucht man keine Angst zu haben, denn durch das Schwitzen wird Ver­dunstungskälte frei und das Gewebe um den Schrittmacher sowie das Blut werden nicht viel wärmer. Der Schrittmacher muss ja auch eine im echten Sin­ne innere Erhitzung von 40 °C und darüber aushalten, nämlich bei hohem Fieber. In den Anfän­gen der Schrittmacher-Zeit galt noch die Empfehlung, einen feuchten Waschlappen über die Implantationsstelle zu legen, wenn man in den Schwitzraum ging. Heute kann man sagen, dass ein Saunabad von 10 Minu­ten und einer Hitze von 85 °C in Deckenhöhe ohne Störung der Schrittmacherfunktion vertra­gen wird.

Bei diesen günstigen Aussagen über die Robustheit eines Herzschrittmachers sollte nicht vergessen werden, dass die Grundstörung, die letztlich zum Einpflanzen eines Herzschrittmachers führte, bei vielen Krankheitsbildern durch den Schrittmacher nicht behoben wurde, sondern dass lediglich die elektrischen Folgeerschei­nungen einer Grunderkrankung behandelt wurden. Es kommt also weniger auf den Herz­schrittmacher an, ob man Saunabaden darf, sondern mehr auf die Grunderkrankung. Nach eigenen sehr ausführlichen Untersuchungen an Patienten mit zum Teil schwerwiegenden Herzerkrankungen konnten wir glücklicherweise keine zusätzli­che Bedrohung durch einen Saunabesuch feststellen. Bei diesen Untersuchungen war die Saunatemperatur auf 80 °C ein­gestellt worden und die Ver­suchspersonen saßen 10 Minu­ten lang auf der untersten Stufe. Die einzige kritische Situation, die wir beobachten konnten, war der Lagewechsel, vom Liegen über das Sitzen zum Stehen. Hier kam es häufiger einmal zu Herzrhythmusstörungen. Des­halb sollte man, wenn man im Liegen sauniert, sich langsam aufsetzen, zwei Minuten sitzen ­bleiben und dabei die Fersen heben. Die Wadenmuskulatur wird dadurch entspannt und im Gefolge wird das Blut der Beine durch die Wadenmuskulatur zum Herzen zurückgetrieben; es versackt nicht nach unten.

Kri­tisch könnte noch das Tauch­becken sein. Es wurden bei anderen Untersuchungsgruppen überhöhte Blutdruckspitzen gemessen. Wir haben bei unse­ren Untersuchungen vorsichts­halber das Tauchbecken gemie­den und stattdessen eine vor­sichtige Abkühlung mit dem Kneippschlauch und an­schließender Bewegung an fri­scher Luft durchgeführt.

Prof. Dr. med.
Klaus-D. Hüllemann
ärztl. Direktor der Klinik St. Irmingard
83209 Prien am Chiemsee

Saunabaden mit Hämorrhoiden?

Bei akut entzündeten Hämorrhoiden muss vom Saunabaden abgeraten werden, da die Erhitzung des Körpers und das Schwitzen die geschwollenen Hämorrhoidalknoten und das oft damit verbundene Analekzem reizen können. Kühlen mit Kaltwasser ist auf jeden Fall gut. Gegen das Saunabaden bei abgeklungenem Reizzustand  ist nichts einzuwenden.

Prof. Dr. med. Eberhard Conradi
war Direktor der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation des Universitätsklinikums (Charité) der Humboldt-Universität zu Berlin.
Er ist seit 1991 der Vorsitzende des Deutschen Sauna-Bundes e.V., Bielefeld.

Saunabaden nach einem Schlaganfall?

Die Frage, ob ein Patient nach einem Schlaganfall, der auf eine Hirnblutung zurückzuführen ist, wieder in die Sauna gehen kann, ist schwer zu beantworten, da es immer auf den derzeitigen Zustand des Patienten und vor allem auf die Ursachen, die zu dem Ereignis geführt haben, ankommt. Aus der Sicht des Arztes ist eine Stammganglienblutung ein schweres Ereignis, so dass man eigentlich vom Saunabaden abraten würde. Es gibt jedoch Umstände, die es rechtfertigen, davon abzuweichen.

Ist z.B. der Zustand des Betroffenen inzwischen so stabil geworden, dass er – abgesehen von der Behinderung durch die Halbseitenlähmung – sich vieles zumuten kann (kleine Wege, Duschen, Baden usw.), so würde man dem Versuch, wieder in die Sauna zu gehen, zustimmen. Dass der Betreffende dabei auf der unteren Stufe bleiben sollte, versteht sich bei einer Halbseitenlähmung von selbst.

Als Voraussetzung ist zu beachten, dass der Blutdruck stabil eingestellt ist, auf einem angemessenen Niveau, und auch sonst keine „Herzattacken“, Schwindelereignisse bei Belastungen auftreten. Auch sollte die Verträglichkeit von Wärme z.B. beim Baden (Reinigungsbad) in Betracht gezogen werden. All das zu beurteilen, ist Sache des Hausarztes.

Dieser sollte aber immer auch berücksichtigen, dass Saunabaden ein besonderes Wohlgefühl bewirkt, was für den Patienten wichtig ist und heilsam sein kann. Zu beachten ist übrigens auch, dass der Betroffene nicht allein ist. Dabei sollte Saunabaden nicht als große, risikoreiche Belastung eingeführt werden, sondern als normale Wohlfühlmaßnahme. Zusammengefasst ist man heute eher geneigt, dem Saunabaden in gewissen Grenzen zuzustimmen als grundsätzlich davon abzuraten.

Prof. Dr. Eberhard Conradi

Saunabaden bei Einnahme Blut verdünnender Medikamente?

Zunehmend besuchen mehr ältere Menschen die Sauna. Damit gewinnt das Problem einer Wechselwirkung zwischen Medikamenten und Saunabesuch eine größere Bedeutung, denn je älter wir werden, umso mehr Medikamente müssen wir einnehmen. Häufig – jedoch nicht nur im Alter – werden Blut verdünnende Medikamente vom Arzt verordnet.

Bei der Entscheidung, ob ein Saunabesuch unter Einnahme dieser Mittel angeraten ist oder nicht, müssen zwei Aspekte beachtet werden:

1. Lässt die Grundkrankheit, die zum Einsatz Blut verdünnender bzw. Gerinnung hemmender Mittel geführt hat, die Anwendung der Sauna überhaupt zu?
2. Gibt es spezifische Wechselwirkungen zwischen der Sauna und entsprechenden Mitteln?

Die erste Frage ist meist leicht zu beantworten: Liegt beispielsweise die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems bei 75 Watt oder höher, bestehen keine bedrohlichen Rhythmusstörungen des Herzens, keine höhergradigen Durchblutungsstörungen oder entzündlichen Prozesse sowie kein schwer oder nicht einstellbarer Bluthochdruck, so kann von Seiten des Herz-Kreislauf-Systems der Saunabesuch zumindest toleriert, oft sogar empfohlen werden. Andererseits würde ich nach einer tiefen Venenthrombose für Monate bis Jahre danach eher vom Saunabesuch abraten, auch wenn eine Einstellung z.B. auf Marcumar erfolgte.

Über spezifische Wechselwirkungen des Saunabadens mit die Gerinnung hemmenden bzw. „Blut verdünnenden“ Mitteln ist wenig bekannt. Man weiß aber, dass kurze Zeit nach einem Saunabesuch die Gerinnbarkeit des Blutes schon alleine wegen des Wasserverlustes über das Schwitzen und einem daraus resultierenden gewissen „Eindickungseffekt“ gering erhöht ist, was kurz danach aber wieder überschießend ausgeglichen und im allgemeinen nicht als Gefahr angesehen wird. Bei zusätzlicher Gabe von Blutgerinnung hemmenden Mitteln kann man von einer noch weiter reduzierten Gefahr ausgehen.

Allerdings gibt es bei den einzelnen Mitteln Unterschiede.

Heparin
wird meist nur kurzfristig im Krankenhaus zur Vermeidung von Thrombosen bei bettlägerigen Patienten oder im Zusammenhang mit Operationen unter die Haut gespritzt. Hier stellt sich nicht die Frage nach einem Saunabesuch. Die Grundkrankheit und der Allgemeinzustand würden dies verbieten.

Häufig angewandt wird heute bei Durchblutungsstörungen des Herzens oder der Arterien in den Beinen bzw. Armen oder im Kopf die Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®, ASS®). Diese Präparate verhindern die Verklumpung von Blutplättchen (die so genannte Thrombozytenaggregation), wodurch der Bildung von Blutgerinseln und damit der Entstehung von Gefäßverschlüssen wie beispielsweise beim Herzinfarkt vorgebeugt wird. Bestehen keine Bedenken wegen der Grundkrankheit, so ist gegen den Saunabesuch mit einem derartigen Präparat nichts einzuwenden.

Etwas problematischer  ist die Sache bei der Einnahme von Präparaten, die die Blutgerinnung direkt hemmen, indem sie dem Vitamin K, das fördernd auf die Blutgerinnung wirkt, entgegen arbeiten. Sie sind als „Antikoagulanzien“ bekannt. Bekannte Präparate sind z.B. das Marcumar® oder Falithrom®. Patienten, die diese Präparate nehmen, müssen häufiger ihre Blutgerinnung untersuchen lassen (den so genannten Quick- oder auch INR-Wert), da einerseits die Gerinnung ausreichend stark gebremst sein muss, andererseits aber Überdosierungen zu Blutungen führen können. Hier gilt es besonders, auf die Grundkrankheit zu achten. Häufig wird Marcumar® oder Falithrom® beim „Vorhofflimmern“ verordnet, einer Rhythmusstörung des Herzens. Ist das Herz dabei noch ausreichend leistungsfähig, bestehen meist keine Bedenken gegen das Saunabaden. Kritischer muss man bei künstlichen Herzklappen sein. Dann kann nur ein Gespräch zwischen dem behandelnden Arzt und dem Patienten eine Klärung schaffen.

Abraten würde ich vom Saunabaden bei angeborenen Störungen der Blutgerinnung und wenn aus diesem Grunde derartige Mittel verordnet werden. Beim Saunabaden sollten nach Möglichkeit Blutdruckspitzen vermieden werden, die im Extremfall zu kleinen Gefäßeinrissen führen können und damit ein Risiko darstellen. Hier ist besonders daran zu denken, das kalte Tauchbad zu meiden, zumal, wenn man zum Bluthochdruck neigt. Bei Einnahme von Antikoagulanzien sollte man immer bedenken, dass die Blutungsneigung allgemein erhöht ist. Kleine Riss- oder Schnittwunden der Haut werden also stärker und länger bluten, Prellungen zu größeren Blutergüssen als üblich führen, wobei die in der Saunawärme gesteigerte Durchblutung der Haut das Problem noch verstärkt. Marcumarisierte Patienten sollten sich also beim Saunabesuch bewusst vorsichtig verhalten und Verletzungen möglichst vermeiden.

Letztlich wird man aber bei aller Vorsicht immer auch den Nutzen der Sauna bedenken müssen, von dem gerade Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen profitieren können. Im Einzelfall kann beim Einsatz Blut verdünnender bzw. die Gerinnung hemmender Mittel auf ein klärendes Gespräch zwischen Arzt und Patient nicht verzichtet werden, das es sich um eine vielschichtige Problematik handelt. Generelle Saunaverbote sind jedenfalls nicht am Platze.

Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Brenke
Chefarzt der Akut-Abteilung Naturheilverfahren
der Hufeland-Klinik Bad Ems,
Taunusallee 5, 56130 Bad Ems

Saunabaden bei Leukämie?

Ob Personen mit einer Leukämieerkrankung in die Sauna gehen können, oder ob davon abgeraten werden muss, ist leider nur sehr allgemein zu beantworten. Leukämien sind bösartige Erkrankungen des Blutsystems, die durch einen sehr unterschiedlichen Verlauf gekennzeichnet sind. Man unterscheidet akute Leukämien, die wegen des schweren Verlaufs für das Saunabaden überhaupt nicht in Betracht kommen und chronische Leukämien. Neben akuten Phasen gibt es hier, nicht zuletzt durch die moderne Therapie, oft jahrelang anhaltenden Stillstand (Remissionen). Die Betroffenen können und sollen daher ihr Leben so normal wie möglich gestalten. Ob dazu im Einzelfall auch das Saunabaden gehören kann, muss der behandelnde Arzt entscheiden. Seine Zustimmung hängt im Wesentlichen von dem Verlauf der Blutbildkontrollen und vom Allgemeinbefinden des Patienten ab. In einer beruhigten Phase dürfte gegen Saunabaden nichts einzuwenden sein. Extreme Hitzebelastungen sind aber sicher zu vermeiden, während ein mildes Saunabad entsprechend den Badeanleitungen des Deutschen Sauna-Bundes wohl kein Problem darstellt.

Eine Beeinflussung des Krankheitsverlaufes ist aus heutiger wissenschaftlicher Sicht nicht anzunehmen; jedoch ist die Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Stimmungslage sowie des allgemeinen Körperzustandes nicht zu unterschätzen.

Prof. Dr. med. Eberhard Conradi,
ehemaliger Direktor der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation des Universitätsklinikums (Charité) der Berliner Humboldt Universität.

Saunabaden bei Unterfunktion der Schilddrüse?

Eine Unterfunktion der Schilddrüse, im medizinischen Sprachgebrauch Hypothyreose genannt, bedeutet, dass die Schilddrüse nicht in der Lage ist, ausreichend Hormon zu produzieren. Dafür kommen verschiedene Ursachen in Betracht, die vom Arzt abgeklärt werden müssen.

Charakteristisch für die Unterfunktion ist u.a. allgemeine Müdigkeit, Antriebsmangel, Kälteempfindlichkeit und Verschwellung der Haut besonders im Gesicht. Insgesamt also bis auf das letzte Symptom, wenig charakteristische Erscheinungen.

Generell wirkt sich der Mangel an Schilddrüsenhormon dahingehend aus, dass der Stoffwechsel insgesamt verlangsamt ist.

Nach Klärung der Diagnose und der Ursachen ist heute die Therapie kein Problem mehr, da man Schilddrüsenhormon als Tablette einnehmen kann. Die Betroffenen sind dann wieder voll leistungsfähig. Die Frage, ob Saunabaden möglich ist, kann daher bejaht werden. Natürlich muss das verordnete Hormonpräparat regelmäßig eingenommen werden.

Im Übrigen kann man von der allgemeinen Stimulation durch die Sauna auch eine Anregung des Hormonstoffwechsels erwarten und sich davon sogar eine positive Wirkung versprechen. Auch auf die Verquellung der Haut dürfte sich die vermehrte Durchblutung in der Sauna günstig auswirken.

Prof. Dr. med. Eberhard Conradi
Ehemaliger Direktor der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitationdes Universitätsklinikum (Charité) der Berliner Humboldt Universität

Saunabaden mit Cellulite?

Die Cellulite ist eine typische Erkrankung des weiblichen Geschlechts. Sie ist in erster Linie charakterisiert durch die Orangenhaut oder das „Matratzenphänomen“, das beim Zusammenschieben der Haut z.B. am Oberschenkel sichtbar wird. Außerdem ist die Hautelastizität als Ausdruck einer allgemeinen Bindegewebsschwäche meist vermindert. In vielen Fällen treten insbesondere nach Schwangerschaften auch sog. „Striae“ auf, die den meisten Frauen als „Schwangerschaftsstreifen“ bekannt sind. Die Ursache, dass diese Phänomene fast nur bei Frauen – und das auch ohne Schwangerschaften – auftreten, liegt darin begründet, dass die Strukturen der Bindegewebsfasern im Unterhautfettgewebe bei Mann und Frau unterschiedlich sind. Während die Bindegewebsfasern beim Mann scherengitterartig verlaufen, sind sie bei der Frau parallel ausgerichtet. Das führt dazu, dass beim „Hautfaltentest“ das Unterhautfettgewebe bei der Frau pfropfenförmig nach oben geschoben wird und die bekannte Orangenhaut entsteht. Beim Mann tritt dies nicht auf. Über den Krankheitswert und die Therapiebedürftigkeit der reinen, auf die Haut bezogenen Cellulite mag man streiten. In Illustrierten und populärmedizinischen Schriften werden die verschiedensten Methoden zur Behandlung angepriesen, die jedoch in aller Regel wissenschaftlich nicht untersucht sind. Dazu gehören u.a. solche Empfehlungen, die als Ziel eine „Entschlackung“ – ein Begriff, den die wissenschaftliche Medizin nicht kennt – beinhalten.

Letztlich ist ebenfalls nicht klar, welchen Effekt die Sauna hier ausüben kann. Ziemlich sicher kann man sagen, dass sie sich bei der reinen, auf die Haut beschränkten Cellulite nicht negativ auswirken wird. Möglicherweise ist der gesteigerte Spannungszustand der Haut („Tonus“ bzw. „Turgor“) beim Saunabaden sogar positiv. Wie sich die immer im Saunaraum zu verzeichnende Durchblutungssteigerung der Haut auf den Verlauf der Cellulite auswirkt, ist noch unklar.

Kompliziert wird die Beurteilung aber dadurch, dass die Cellulite oft nur Symptom eines weit umfassenderen Krankheitsbildes – des sog. Lipödems – ist. Der Begriff „Lipödem“ leitet sich von den griechischen Wörtern „Lipos“ = Fett und „Oedema“, einer Wasseransammlung im Gewebe ab. Es handelt sich also um Wasseransammlungen als Folge einer anlagebedingten Fettgewebsvermehrung, die nur das Gesäß oder auch die Oberschenkel („Reithosen“) betreffen können. Manchmal liegt sogar eine Schwellung der gesamten Beine bis zu den Knöcheln vor. Neben der von der Ernährung weitgehend unabhängigen Fettgewebsvermehrung und der Cellulite findet man oft eine Neigung zu blauen Flecken (Ausdruck einer Schädigung der Blutkapillaren), eine schwache venöse Beinpumpe, eine ausgeprägte Druckschmerzhaftigkeit und vor allem eine weiche, eindrückbare Schwellung der Unterschenkel in der zweiten Tageshälfte. Dieses Ödem an den Unterschenkeln ergibt sich durch eine Schädigung der Lymphgefäße, deren Aufgabe es unter anderem ist, überschüssiges Wasser und Eiweiß abzutransportieren. Ein Grund für die Schädigung der Lymphgefäße dürfte sein, dass das vermehrte Fettgewebe die Lymphgefäße abdrängt und in ihrer Funktion beeinträchtigt. Unbehandelt kann das Lipödem in ein echtes Lymphödem übergehen, bei dem es durch den Eiweißreichtum des Ödems zu einer Bindegewebswucherung kommt.

Beim Lipödem sind im Gegensatz zur reinen Cellulite alle Maßnahmen, die zu einer Durchblutungssteigerung führen, prinzipiell als risikoreich einzustufen. Dazu gehören Wärmeanwendungen und damit ebenfalls die Sauna. Bei der Mehrdurchblutung kommt es zu einer vermehrten Filtration von Gewebswasser. Die geschädigten Lymphgefäße sind aber nicht in der Lage, mit diesem Mehr an Wasser fertig zu werden – das Ödem kann sich verstärken.

Man kann also feststellen, dass die Sauna bei der auf die Haut beschränkten Cellulite unbedenklich ist und sich möglicherweise sogar positiv auswirkt. Bei dem sog. Lipödem – einer anlagebedingten Fettgewebsvermehrung an den Beinen mit Wassereinlagerung im Gewebe – sollte man die Sauna dagegen lieber meiden.

Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Brenke,
Priv.-Doz. Dr. med. Angelika Brenke,
Akut-Abteilung für Naturheilverfahren der Hufeland-Klinik Bad Ems,
externe Hochschullehrer an der Charité in Berlin

Saunabaden mit Diabetes mellitus

Die Zuckerkrankheit – der Diabetes mellitus – kann mit Recht als eine echte Volkskrankheit bezeichnet werden. Der Name „Diabetes mellitus“ bedeutet auf Deutsch „Honigsüßer Durchfluss“ und beschreibt die Tatsache, dass im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung Zucker mit dem Urin ausgeschieden wird. Dies wurde von den Ärzten früherer Jahrhunderte an seinem Geschmack festgestellt. Nach älteren Schätzungen leiden 4 – 5%, nach neueren 7 – 8% der deutschen Bevölkerung an dieser Erkrankung und im Alter über 60 Jahren liegt die Häufigkeit sogar bei 15%. Insgesamt kann in Deutschland von 6 bis 7,5 Millionen Diabetikern ausgegangen werden. Allerdings ist wegen der fehlenden Beschwerden in den Anfangsstadien der Krankheit die Dunkelziffer hoch.

Man kann zwei Typen der Diabetes unterscheiden: Beim Typ I handelt es sich stets um einen echten Insulinmangel. Dieser Typ der Diabetes tritt schon in der Kindheit auf und es muss stets Insulin gespritzt werden. Beim Typ II (früher auch als Altersdiabetes bezeichnet) ist die Insulinproduktion meist normal, die Ansprechbarkeit der Körperzellen darauf jedoch vermindert. Oft kommen weitere Stoffwechselstörungen, Übergewicht oder ein Bluthochdruck hinzu.

Moderne Verfahren der Insulingaben
Gefürchtet ist der Diabetes vor allem wegen seiner Folgeschäden. Diese betreffen die Blutgefäße am Herzen (häufige Herzinfarkte), in den Beinen oder im Gehirn, aber auch die Augen, Nieren oder das Nervensystem sind oft betroffen. Letzteres erkennt man häufig an unangenehmen Empfindungsstörungen an den Beinen – der sog. diabetischen Polyneuropathie. Die Behandlung besteht in Diät, vermehrter körperlicher Bewegung mit dem Ziel des Zuckerverbrauchs und der Einnahme von Medikamenten. Diese können zumindest beim Typ II am Anfang noch als Tabletten genommen werden, häufig kommt man aber auch heute noch um das Spritzen von Insulin nicht herum. Bei Typ I – Diabetikern ist stets Insulin erforderlich. Viele Diabetiker lernen heute im Rahmen einer so genannten „intensivierten Einstellung“ die Insulindosis in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme oder von körperlichen Aktivitäten selbst zu steuern und können damit ein ungebundeneres Leben führen als früher. Neuere Entwicklungen führen dabei mittels einer Pumpe kontinuierlich dem Körper eine bestimmte Menge Insulin zu, bei Bedarf (Mahlzeiten) können zusätzliche Mengen an den Körper abgegeben werden. Die Mehrzahl der heute verfügbaren Pumpen besteht aus einem kleinen, z.B. am Gürtel getragenen Kästchen, wobei das Insulin über einen dünnen Schlauch und eine kleine Kanüle unter die Haut appliziert wird. Voraussetzung für die problemlose Anwendung sind eine häufige Selbstmessung des Blutzuckers und ein gut geschulter Patient. Erprobt werden außerdem Systeme, die den Blutzucker automatisch mehr oder weniger kontinuierlich messen und die Insulindosis dann selbsttätig anpassen. Ebenfalls noch in der Erprobungsphase sind Systeme, die komplett unter die Haut eingepflanzt werden und von Zeit zu Zeit über eine Spritze mit Insulin nachgefüllt werden.

Alles in allem hat die moderne Diabetesbehandlung immense Fortschritte gemacht. Früher typische Komplikationen wie die Unterzuckerung (der sog. „hypoglykämische Schock“ durch eine zu hohe Insulindosis) oder das „Koma“ durch Überzuckerung sind seltener geworden. Dennoch werden nach wie vor vielfältige Spätschäden beobachtet, die allerdings auch durch die allgemeine Zunahme des Lebensalters bedingt sind.

Was muss ein Diabetiker in der Sauna beachten?
Die Häufigkeit der Diabetes sowie die Tatsache, dass Diabetiker ein zunehmend „normales“ Leben führen können, sind Gründe dafür, dass Diabetiker immer öfter als Saunagäste anzutreffen sind. Was gilt es nun im Zusammenhang mit dem Saunabesuch von Diabetikern zu beachten? Unmittelbar kommt es durch das Saunabaden in den meisten Fällen nur zu einer vernachlässigbaren Beeinflussung des Blutzuckers; lediglich in Einzelfällen kann der Wert – bedingt durch die Stoffwechselsteigerung beim Saunabaden – auch einmal stärker absinken. Anstiege werden seltener beobachtet. Viele Diabetiker kennen die Symptome einer Unterzuckerung und können durch eine kleine Mahlzeit darauf reagieren. Oftmals können sie ihren Blutzucker auch selbst messen und durch entsprechendes Verhalten regulieren. Besonderheiten treten jedoch beim Insulin spritzenden Diabetiker auf. Dieser sollte nicht unmittelbar nach dem Spritzen die Saunakabine aufsuchen, da die gute Durchblutung von Haut und Unterhaut in der Saunawärme zu einer schnelleren Aufnahme des Insulins führen kann. Der Blutzucker könnte  stärker als erwartet absinken.

Wesentlicher erscheint jedoch die Tatsache, dass der Diabetiker in vielfältiger Weise von der Sauna profitieren kann. Häufige Begleit- oder Folgeerkrankungen der Diabetes sind: Durchblutungsstörungen, der Bluthochdruck oder auch die Polyneuropathie. Auf alle diese Erkrankungen kann die Sauna einen positiven Effekt ausüben, wenn die spezifischen Badeempfehlungen beachtet werden. Dazu gehört bekanntermaßen, dass z.B. der Bluthochdruckpatient das Tauchbecken meiden sollte. Das betrifft ebenfalls den Diabetiker mit Bluthochdruck.

Eine unzureichende Leistungsfähigkeit des Herzens (unter 75 Watt Dauerleistungsfähigkeit) sowie schwerwiegende Herzrhythmusstörungen sollten jedoch Anlass sein, vom Besuch der Sauna abzuraten. Bei ausgeprägter Augen- oder Nierenbeteiligung muss individuell entschieden und der Rat des Facharztes eingeholt werden. Wegen der Gefahr der Fußpilzinfektion, die bei Diabetikern schon wegen der oft gestörten Durchblutung sehr groß ist, sollten die Hinweise zur Vorbeugung genau eingehalten werden. Dazu gehören dann das konsequente Tragen von Badeschuhen ebenso wie das gute Abtrocknen der Zehen und insbesondere der Zehenzwischenräume nach den Wasseranwendungen. Ist es trotzdem zur Fußpilzinfektion gekommen, so ist unbedingt zu einer strikten hautärztlichen Therapie zu raten.

Nicht mit einer Insulinpumpe in den Saunaraum gehen
Auf eine mögliche Gefahr des Saunabesuchs bei Diabetikern, die mit einer Pumpe versorgt werden, haben erstmals Pariser Ärzte 1999 hingewiesen. Sie berichteten über eine 32-jährige, mit einer Insulinpumpe versorgte Diabetikerin, die am Tag nach dem Saunabesuch trotz wiederholter Bolusgaben von Insulin über die Pumpe in ein Koma und damit in eine akut lebensbedrohliche Situation gelangte. Die Ärzte führten dies vor allem auf  eine Inaktivierung des Insulins in der den hohen Temperaturen ausgesetzten Pumpe zurück.  Als weiteren, jedoch wohl weniger wichtigen Faktor diskutierten sie, dass die Hormone, die dem Insulin entgegen wirken, durch die Sauna erhöht sein könnten. Diese Beobachtung lässt die wichtige Schlussfolgerung zu, dass mit einem Pumpsystem versorgte Diabetiker auf keinen Fall mit ihrer Pumpe die Sauna aufsuchen sollten. Es ist für den geschulten Diabetiker jedoch ohne weiteres möglich, während der Sauna ebenso wie in anderen Situationen die Pumpe zu entfernen und danach erneut anzulegen. Der Blutzucker kann nach Wiederanlegen der Pumpe durch eine Bolusgabe korrigiert werden, falls ein erhöhter Wert dies erforderlich macht. Ähnliche Erfahrungen mit komplett unter die Haut implantierten Systemen, die sich aber noch im Erprobungsstadium befinden, gibt es bisher nicht. Sollten diese Systeme eine weite Verbreitung erlangen, so wird man wohl bis zum Beweis des Gegenteils derartigen Patienten dringend vom Besuch der Sauna abraten müssen.

Insgesamt gesehen profitieren also die meisten Diabetiker von einem Besuch der Sauna. Komplikationen können bei richtigem Verhalten und ausreichender Schulung mit Sicherheit vermieden werden.

Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Brenke,
Akut-Abteilung für Naturheilverfahren der Hufeland-Klinik, Bad Ems

Ist Saunabaden mit Endoprothesen bzw. Metallimplantaten möglich?

In Deutschland werden pro Jahr etwa 100.000 künstliche Gelenke (Endoprothesen) und Metallplatten bei komplizierten Knochenbrüchen eingesetzt. Es ist verständlich, wenn daher immer wieder die Frage gestellt wird, ob nicht durch Erhöhung der Körpertemperatur in der Sauna für den Saunagast ein Risiko entstehen kann, zumal die Antworten vieler Ärzte eher vorsichtig sind und zur Zurückhaltung tendieren. Immer noch besteht Unsicherheit vor allem hinsichtlich der Implantate, die unmittelbar unter der Haut liegen, wie z.B. die Endoprothesen des Knie- oder Sprunggelenkes bzw. Verplattungen bei Frakturen des Unterschenkels. Dies hat uns veranlasst, dieses Problem noch einmal zu besprechen.
 
3 Aspekte sind dabei von prinzipieller Bedeutung
  • Die Wärmeverteilung im Körper und damit die Frage, wie warm wird der Körperkern bzw. die Körperschale, wenn die Betreffenden sich ca. 10-15 Minuten in der Saunakabine bei Temperaturen von 80°C aufhalten?
  • Wie hitzestabil sind Endoprothesen, gleich ob aus Metalllegierungen oder Kunstharzen?
  • Wie hitzebeständig ist Knochenzement, der für den Einbau mancher Endoprothesen verwendet wird?

Über die Weiterleitung der im Verlauf eines Saunabades aufgenommenen Wärme sind wir durch zahlreiche Untersuchungen gut informiert. Nach 15 Minuten ist die Kerntemperatur etwa um 1-1,5°C angestiegen. Der menschliche Organismus ist so eingerichtet, dass er die über die Körperoberfläche (man spricht in Bezug auf den Wärmehaushalt des Organismus von Körperschale) aufgenommene Wärme schnell verteilt. Außerdem wird durch Verdunstung von Schweiß die Überhitzung der Haut vermieden.

Dies erklärt, dass sich trotz der hohen Lufttemperatur und der Wärmeabstrahlung von den Wänden der Saunakabine die Temperatur der Haut bei 42°C einpendelt. Daraus ist abzuleiten, dass einerseits Endoprothesen, die näher zum Körperkern liegen, sich dessen Temperatur annähern, sich also auch nur um 1°C erwärmen können. Diese Temperaturen werden übrigens bei ganz alltäglichen Situationen wie schnellem Laufen oder warmen Bädern oft erreicht. Andererseits können Metallimplantate, die direkt unter der Haut liegen, auch nur so warm werden wie die Haut selbst, also maximal 42°C. Von einem nassen Umschlag ist aber abzuraten, da die Wärmeleitung durch Wasser bekanntlich höher wird; ein Kühleffekt ist davon nicht zu erwarten.

Zu den beiden anderen Aspekten wurden von uns einige Fachleute befragt. Übereinstimmend wird eine Hitzestabilität von etwa 200°C angegeben, was allein dadurch verdeutlicht wird, dass Endoprothesen und anderes Operationsmaterial bei 200°C sterilisiert werden. Dies trifft auch für Kunstharzmaterial zu.

Auch die Festigkeit von Knochenzement ist unter Hitzeeinfluss nicht gefährdet. Abgesehen von der Tatsache, dass beim Abbinden von Knochenzement Wärme freigesetzt wird, die zu einem vorübergehenden Anstieg des umgebenden Gewebes auf ca. 60°C führt, gibt es Untersuchungen, dass der Zement auch höhere Temperaturen verträgt.

Schlussfolgerung
Die Frage nach einer Beeinträchtigung von Endoprothesen, Metallplatten bzw. Schrauben anlässlich von Saunabädern kann also eindeutig verneint werden. Auch im Fall oberflächlich gelegener Metallimplantate besteht keine Gefahr.

Prof. Dr. Eberhard Conradi,
Vorsitzender des Deutschen Sauna-Bundes
Ehemaliger Direktor der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation des Universitätsklinikum (Charité) der Berliner Humboldt Universität

Saunabaden mit Mammakarzinom (Brustkrebs)?

Nach entsprechender Behandlung ei­nes Mammakarzinoms (chirurgisch, Be­strahlung und/oder Chemotherapie) und evtl. abgeschlossener Wundheilung spricht nichts gegen den Saunabesuch. Im Gegenteil - wir empfehlen geradezu körperliche Aktivitäten wie Kneippen und Saunagehen, um das körperliche Wohlbefinden und die Abwehrlage zu fördern. In einer Studie über Wechsel­güsse am Lehrstuhl für Naturheilkunde in Berlin wurde bei Krebspatientinnen sowohl eine Verbesserung der Stim­mungslage als auch des Immunsystems nachgewiesen. Wir würden dieses erfreu­liche Ergebnis auch auf das Saunabaden übertragen.

Obwohl viele Krebsarten außeror­dentlich empfindlich gegen Wärme sind, scheint die Überwärmung in tieferen Ge­webeschichten nicht auszureichen, um ein Krebswachstum direkt zu hemmen. Hingegen veranlasst die milde Überwär­mung während der Sauna eine bessere Durchblutung im gesamten Körper, die mit einer besseren Funktion der Immun­abwehr gegen einzelne verbliebene Krebszellen einher geht. Die für Sauna eindeutig nachgewiesene Abwehrsteige­rung gegen Atemwegsinfekte dürfte sich somit auch bezüglich der Rezidivabwehr ähnlich günstig auswirken.

Dr. med.  Dr. rer. nat. Bernhard Uehleke

Krankenheus Moabit-Abt. Naturheilkunde
10559 Berlin

Besuch der Sauna mit Genitalpilz?

Bei dem Versuch, die Frage zu beantworten, ob eine Frau mit Scheidenpilz die Sauna besuchen darf oder sollte, können wir uns nicht auf gesichertes Wissen stützen. Es gibt dazu keine speziellen Untersuchungen. Man wird sich also an dem allgemein zur Sauna bekannten Wissen orientieren müssen.

Zunächst einmal ist bekannt, dass Wärme akute Entzündungsprozesse aktivieren kann. Liegen also derartige Zeichen vor (z.B. Schmerzen, Brennen, Ausfluss oder auch Hinweise für eine Entzündung im Blut), so verbietet sich der Saunabesuch. Meist handelt es sich bei Pilzinfektionen im Genitalbereich aber um chronische Erkrankungen mit nur geringer oder fehlender Symptomatik. Hier könnten Ganzkörperüberwärmungen milden Grades, wie sie auch die Sauna bietet, durchaus positiv wirken, da sie die Durchblutung und Immun-Abwehr steigern.

So weit, so gut.

Bei der Erörterung der Frage darf aber nicht vergessen werden, dass man im Allgemeinen eine Sauna nicht allein für sich zur Verfügung hat, sondern diese mit anderen Menschen teilt. Pilzerkrankungen im Genitalbereich sind potenziell übertragbare Krankheiten, wenn sie auch meist über den Geschlechtsverkehr übertragen werden. Selbst wenn eine Infektion über die Sauna mehr als unwahrscheinlich ist, so hat der Badbetreiber es doch - sollte der Saunabesuch der betreffenden Frau und ihre Erkrankung, aus welchen Gründen auch immer, publik werden - mit einer Fülle höchst unangenehmer verdeckt oder offen geführter Diskussionen zu tun. Diese werden mit Fragen nach der Anregung des Schweißflusses und der Sekretionen im Genitalbereich und einem damit evtl. verbundenen vermehrten "Ausspülen" von Krankheitserregern beginnen und bei dem beliebten Streitthema "Liegt das Handtuch zum Sitzen auch richtig herum oder kann ich mich sonst womöglich über den Umweg der Saunabank anstecken?" enden. Die psychologisch bedingten Ängste vor einer Ansteckung und das Unbehagen der anderen Saunagäste sind dabei weitaus größer als eine reale Infektionsgefahr. Sie dürfen aber nicht ignoriert werden. Potenziell sind sie geschäftsschädigend.

Aus den genannten Gründen müssen wir einer Frau mit Scheidenpilz selbst bei Fehlen akuter Krankheitssymptome vom Besuch einer öffentlichen Sauna deutlich abraten. Anders mag es im häuslichen Umfeld bei Benutzung einer privaten Sauna aussehen.

Priv.-Doz. Dr. med. Angelika Brenke, Hautärztin.
Priv.-Doz. Dr. med. Rainer Brenke,
Chefarzt der Akut-Abteilung für Naturheilverfahren der Hufeland-Klinik Bad Ems

Sauna-Informationen für Venenkranke

„Heiße Sauna - und dann Venenpatienten?“ stutzt der Leser und erinnert sich, unlängst wieder eine Warnung der Beinleidenden vor warmem Klima und warmen Bädern gelesen zu haben. Es wird Zeit, erneut nachdrücklich auf einen Irrtum hinzuweisen. Denn es ver­geht kaum ein Monat, in dem nicht in Tageszeitungen oder Illustrierten bei chronischen Venenstörungen vor Wärmeanwendungen und Sauna gewarnt wird. Die Meldungen kom­men meist aus einer Quelle. Manchmal heißt es nur wie bei Dr. Taucher aus München, die Sauna sei „mit Vorsicht zu genießen“ - die der Wärme folgende Abkühlung sei allerdings - wie eine Kneippkur - günstig. Und Prof. Dr. Wienert, Aachen, kennt seine Saunafreunde: „Wenn sie es doch nicht lassen können, dann im Liegen und nicht im Sitzen schwitzen“ und gleich anschließend die Beine intensiv abkühlen.

Tatsache ist jedoch, dass bei der Häufigkeit von Venenschädigungen (man nennt Zahlen von 30 bis 50 Prozent der Bevölkerung!) mit Hunderttausenden von Beinleidenden in unse­ren Saunas zu rechnen ist. Mit Sicherheit gehen diese Patienten nicht in die Sauna, weil sie sich eine Heilwirkung auf ihre Krampfadern versprechen, sondern trotz der Krankheit der vielen anderen guten Wirkungen wegen. Bei richtiger Badeweise gibt es auch keine Ver­schlechterung, sondern es hilft im Gegenteil, Verschlimmerungen zu vermeiden.

Man darf das Saunabaden nicht mit Wärmeeinwirkungen anderer Art, die genannt werden, verwechseln, etwa Urlaub in heißen Ländern oder Thermalschwimmen. Witz und Wesen des Saunabades ist doch der Wechsel zwischen heiß und kalt, die kurze Zeit von wenigen Minuten in der Wärme, der sofort die Kaltwasseranwendungen folgen. Es trifft zwar zu, dass Wärme Blutgefäße erweitert (aber dies betrifft nur die Arterien), dass das Blut durch das Schwitzen etwas eingedickt wird (aber Flüssigkeit aus dem Zwischenzellgebiet füllt es schnell wieder auf). Und eine Thrombose, die in der Sauna noch nie beobachtet worden ist, wird sicher durch die nachgewiesene Zunahme von Stoffen verhindert, die dem entgegen­wirken.

Zweckmäßiges Verhalten bei Wärme und Kälte sollte für Venenpatienten selbstverständ­lich sein. Liegen in der Sauna und nur die letzten ein bis zwei Minuten aufrecht sitzen, be­vor man hinausgeht, wird von allen Fachleuten empfohlen. Nach ruhigem Hinabsteigen und  Hinausgehen ohne stehen zu bleiben, wird der Kaltwasserguss auf die betroffenen Beine empfohlen. Auch das Einsteigen in ein kaltes Becken fördert eine Tonisierung der Venen. Die Kaltwasseranwendungen werden in der „Abkühlphase“ (im Allgemeinen etwas länger als die „Aufheizphase“ in der Sauna) mehrmals wiederholt, bis die Empfindung einen wieder ausgeglichenen Wärmezustand erkennen lässt.

Die nach jeder Kaltwasseranwendung empfohlenen Fußwärmbäder, bei denen lediglich die Füße maximal bis zu den Knöcheln in gut warmes Wasser gestellt werden, haben den Zweck, die arterielle Gefäßverengung durch die Kältereize schnell wieder aufzuheben, um den Wärmetransport von innen an die Haut zu beschleunigen. Der Vorgang verläuft auf dem Nervenwege und wird als „Reflex“ bezeichnet. Auch Venenpatienten sollten auf die Maßnahme nicht verzichten.

Dr. Werner Fritzsche, Bielefeld
Vorsitzender des Deutschen Sauna-Bundes e.V. von 1960 - 1991

Saunabaden nach Lymphknotenentfernung?

Die Frage, ob Saunabaden nach einer Krebserkrankung empfohlen werden kann oder sogar davon abgeraten werden muss, wird oft gestellt. Manche Betroffene haben Angst, dass durch das Saunabaden die Tumorerkrankung aktiviert werden könnte, andere erhoffen sich eine bessere Kondition, Wohlbefinden und größere Chancen bei der Krankheitsüberwindung. Auch manche Ärzte sind unsicher mit der Saunaempfehlung, da sie offenbar die Wirkungen der Sauna nicht richtig einschätzen können und vor allem nicht wissen, dass die Kerntemperatur im Organismus im Saunaraum nur um etwa 1 °C ansteigt.

Generell kann man davon ausgehen, dass Saunabaden nach Abschluss einer operativen Behandlung, einer Bestrahlung oder Chemotherapie wieder möglich ist. Ausnahmen wären z.B. Hautreizungen nach Bestrahlung oder ein Lymphoedem.

Unter Lymphoedem versteht man eine Anschwellung von Arm oder Bein, die auftreten kann, wenn bei der Operation eine mehr oder weniger radikale Wegnahme der befallenen Lymphknoten notwendig war. Dabei werden die abführenden Lymphgefäße unterbunden, so dass der Abfluss der Gewebsflüssigkeit gestört wird. Die Ausprägung eines Lymphoedems kann sehr unterschiedlich sein. Bei den modernen Operationstechniken ist es heute jedoch möglich, das Gewebe weitgehend zu schonen. In manchen Fällen ist jedoch ein Lymphoedem nicht zu vermeiden. Dann ist eine Überwärmung des Armes z.B. durch Packungen, heiße Bäder oder Sauna nachteilig, da das Lymphoedem zunehmen kann. Das liegt daran, dass jede Erwärmung zu einer erhöhten Durchblutung im Gewebe führt, was als Kühleffekt zu verstehen ist, unabhängig davon, ob die nötige Kapazität zum Abfluss des Gewebewassers vorhanden ist.

Bei geringfügiger Ausprägung des Lymphoedems kommt es auf einen Versuch mit der Sauna an. Aber generell nach einer Brustoperation, selbst nach Wegnahme einiger Lymphknoten, vom Saunabaden abzuraten, ist unseres Erachtens eine übertriebene Vorsicht. Trotzdem sollte der behandelnde Arzt gefragt werden, ob er Verdacht auf ein Lymphoedem hat.

Prof. Dr. med. Eberhard Conradi,
ehemaliger Direktor der Klinik
für Physikalische Medizin und
Rehabilitation des Universitäts-klinikums (Charité) der Berliner
Humboldt Universität

Gereizte Augen nach dem Saunabesuch

Sind nach der Sauna die Augen gereizt, liegt am häufigsten eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche zugrunde. Dieses Krankheitsbild, das allgemein als „Trockenes Auge“ oder in der Fachsprache als „Sicca-Syndrom“ bezeichnet wird, führt dazu, daß in heißen Räumen der Tränenfilm noch schneller verdunstet bzw. noch schlechter auf der Augenoberfläche haftet als sonst. In den Augen stellt sich folglich ein Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung oder Entzündungsgefühl ein.

Dieses Krankheitsbild ist behandelbar. Es steht mittlerweile eine große Vielfalt an Tränenersatzstoffen zur Verfügung, mit denen die Beschwerden gelindert oder gar beseitigt werden können. Sie sollten also Ihren Augenarzt aufsuchen, der Sie bei der Auswahl der in Frage kommenden Tränenersatzflüssig­keiten beraten kann. Gleichzeitig kann Ihr Augenarzt andere Augenerkrankungen aus­schließen, die eventuell ähnliche Symptome hervorrufen könnten.

Univ.-Prof. Dr. med. Helmut Höh,
Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde, Dietrich Bonhoeffer Klinikum Neubrandenburg, 17022 Neubrandenburg